Die Mediation hat die Welt der Rechtsschutzversicherung in Windeseile erobert. Innerhalb kürzester Zeit haben zahlreiche Versicherer die Entscheidung getroffen, spezielle Mediations-Tarife anzubieten oder die Kostenübernahme bei Mediationsverfahren zumindest als Zusatzbaustein anzubieten.

Nicht nur bei den Rechtsschutzversicherern, sondern auch bei den Versicherungsnehmern kommt die Moderation gut an. Zunehmend häufiger werden nicht Rechtsanwälte, sondern stattdessen Mediatoren eingeschaltet. Das Ziel eines Mediationsverfahrens besteht darin, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Anstatt im Gerichtssaal aufeinander zu treffen, setzen sich die verstrittenen Parteien an einen Tisch. Mit Hilfe des Moderators, der eine neutrale Position einnimmt, wird eine Einigung ausgehandelt, mit der sich am Ende beide Seiten zufrieden zeigen.

Die Rolle des Moderators ist dabei ungemein wichtig. Er vermittelt zwischen den Parteien, achtet darauf, dass sich die Verhandlungen nicht festfahren und im Ernstfall hilft er auch bei der Konfliktbewältigung. Die schriftliche Fixierung der getroffenen Vereinbarungen wird von ihm sichergestellt.

Vorteile der Mediation

In Anbetracht der gebotenen Vorteile ist es nicht überraschend, dass zunehmend mehr Versicherungsnehmer auf die Mediation setzen. Die Vorteile einer Mediation sind:

Niedrigere Kosten

Anwaltliche Beratung und Gerichtsverfahren sind nicht günstig, besonders dann nicht, wenn mehrere gerichtliche Instanzen durchlaufen werden. Anders als Anwälte rechnen Mediatoren nicht nach Gebührenordnung, sondern auf der Basis von Stundensätzen ab, was transparenter ist.

Dauerhaften Streit vermeiden

Gerichtsurteile führen dazu, dass es Gewinner und Verlierer gibt. Die Folge sind Streitigkeiten, die meist ein Leben lang andauern. Gerade bei Streitigkeiten zwischen Personen, die langfristig miteinander zu tun haben, gilt die Mediation als bessere Lösung. Am Ende sind die Parteien nicht zerstritten, stattdessen einigen sie sich. Gerade bei Streitigkeiten rund um Erbschaft, Nachbarschaft und Schule es häufig sinnvoller, auf ein Mediationsverfahren anstatt auf ein Gerichtsverfahren zu setzen.

Bessere Berücksichtigung persönlicher Interessen

In einem Gerichtsverfahren werden die persönlichen Interessen der Parteien kaum berücksichtigt, stattdessen wird auf Gesetzeslage entschieden. Im Moderationsverfahren ist solch eine Berücksichtigung möglich, was am Ende zu besseren Ergebnissen für alle Beteiligten führt.

Schnellere Einigung

Streitigkeiten, die vor Gericht ausgetragen werden, nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Per Mediation ist es möglich, wesentlich schneller an das Ziel zu kommen. Infolge stehen die Beteiligten auch nicht so lange unter Stress oder anderen psychischen Belastungen.

Kostenübernahme in der Rechtsschutzversicherung

Wer bei einem Streit zunächst auf die Mediation setzen möchte, kann – sofern der richtige Tarif gewählt wurde – mit einer Kostenübernahme durch die Rechtsschutzversicherung rechnen. Wie einleitend bereits erwähnt wurde, hat die Anzahl entsprechender Rechtsschutztarife deutlich zugelegt. Bei der Tarifwahl gilt es allerdings zwischen der Art der Absicherung zu unterscheiden:

Mediation als Zusatzbaustein

Die Mehrheit der Rechtsschutzversicherer bietet die Mediation als Zusatzbaustein an. Darunter ist zu verstehen, dass die Kostenübernahme von Mediatonsverfahren nicht standardmäßig im Rechtsschutz enthalten ist, jedoch eine Erweiterung erfolgen kann. Im Streitfall kann der Versicherungsnehmer dann selbst entscheiden, ob er den klassischen Weg einschlagen und einen Anwalt kontaktieren oder stattdessen einen Mediator einschalten möchte. Mit dieser Variante ist man als Versicherungsnehmer flexibler, allerdings liegen die Kosten für den Rechtsschutz höher.

Mediation als primäre Vorgehensweise zur Konfliktlösung

Auf ein vollkommen anderes Konzept wird bei Rechtsschutztarifen gesetzt, welche die Mediation als primäre Vorgehensweise betrachten. Bei einem Streitfall ist der Versicherungsnehmer dazu gezwungen, den Weg der Mediation zu gehen. Erst wenn dieser fehlschlägt bzw. das Mediationsverfahren vom Mediator als gescheitert erklärt wird, darf der konventionelle Rechtsweg eingeschlagen werden. Derartige Rechtsschutztarife versprechen weniger Flexibilität, aber dafür profitiert der Versicherungsnehmer von einem attraktiven Beitrag.

Scheitern der Moderation

Ein Moderationsverfahren muss nicht zwangsläufig zum Erfolg führen. In der Praxis kommt es gelegentlich vor, dass entsprechende Verfahren scheitern. Die Gründe für das Scheitern können sehr verschieden sein. Meist ist dies der Fall, wenn sich die Parteien trotz Moderation nicht auf eine Lösung einigen können. Außerdem kommt es manchmal vor, dass die Gegenseite an der Moderation prinzipiell nicht teilnehmen möchte. Da man die andere Partei nicht zur Teilnahme zwingen kann, scheitern Verfahren auch auf diesem Weg. Ob ein Verfahren gescheitert ist, entscheiden jedoch nie die Parteien selbst, sondern stets der Moderator.