Bei einem drohenden Rechtsstreit gilt es die Rechtsschutzversicherung clever zu nutzen. Diese Schritte sollten Versicherungsnehmer zuerst machen.

Leider gibt es Streitigkeiten, die sich nicht ohne weiteres aus der Welt schaffen lassen. Besonders wenn man selbst zu einem Kompromiss bereit ist, doch die andere Seite gar nicht einlenken möchte, bleibt oft keine andere Wahl, als einen Gerichtsprozess anzustreben.

In solch einer Situation ist ein bestehender Rechtsschutz natürlich Gold wert. Ohne die Versicherung müsste man sich haargenau überlegen, ob sich der Gang vor Gericht wirklich empfiehlt. Schließlich könnte man als Kläger unterliegen und müsste dann sämtliche Kosten des Verfahrens tragen.

Zumal die Gerichte auch nicht immer eindeutig entscheiden. Das Verkehrsrecht liefert hervorragende Beispiele. Wenn z.B. Kraftfahrer vor Gericht über die Schuldfrage streiten, geht meist niemand als klarer Sieger hervor. Relativ häufig wird beiden Seiten eine Teilschuld zugesprochen. Dies bedeutet wiederum, dass sich beide Parteien an den Kosten beteiligen müssen, zumal sie ihre Rechtsanwaltskosten oft selbst zu tragen haben.

Wer hingegen versichert ist, braucht sich wegen der Kosten mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Gedanken zu machen. Allerdings wissen die meisten Versicherungsnehmer trotzdem nicht, wie sie verfahren müssen. Deshalb zeigen wir nun auf, wie die üblichen Schritte aussehen.

Schritt 1: Rechtsberatung nutzen

Im Vorteil befinden sich diejenigen, die über ihren Rechtsschutz direkten Zugang zu einer kostenfreien Anwaltshotline haben. So können sie einen Rechtsexperten des Versicherers anrufen und sich telefonisch beraten lassen. Auf diesem Weg lässt sich meist relativ leicht klären, ob es überhaupt sinnvoll erscheint, ein Rechtsverfahren anzustreben.

Sollte die Anwaltsberatung via Telefon nicht enthalten sein, bleibt noch der direkte Gang zu einem Anwalt. Es empfiehlt sich, bewusst einen Fachanwalt aus dem jeweiligen Rechtsgebiet (z.B. Arbeitsrecht, Familienrecht oder Mietrecht) zu suchen. Im ersten Gespräch wird der Jurist seine Einschätzung der Lage mitteilen.

Schritt 2: Deckungszusage einholen

Sofern der Anwalt einen Prozess für erstrebenswert hält, wird er Kontakt mit dem Rechtsschutzversicherer herstellen, um eine Deckungszusage einzuholen. Letztlich geht es hier um die Bestätigung des Versicherers, die Kosten zu übernehmen. Solle dies nicht geschehen, sind die Kosten der bisherigen Beratung durch den Anwalt ggf. selbst zu tragen. Wer dieses Risiko nicht eingehen möchte, sollte den Anwalt zuerst fragen, ob Beratungskosten entstehen.

Schritt 3: Vorbereitung des Verfahrens

Nachdem der Versicherer seine Unterstützung zugesichert hat, kann es losgehen. Allerdings bedeutet dies nicht, gleich einen Gerichtsprozess anstreben zu müssen. Es gibt Rechtsschutzpolicen, die zunächst eine Mediation vorschreiben. Ist dies der Fall, wird ein Mediator eingeschaltet. Seine Aufgabe besteht darin, die streitenden Parteien an einen Tisch zu bekommen, um eine Lösung auszuhandeln, mit der am Ende beide Seiten einverstanden sind.

Es gibt Rechtsschutztarife, die die Kostenübernahme für eine Mediation abdecken, die letztliche Entscheidung jedoch dem Versicherungsnehmer überlassen. Sollte er eine Mediation versuchen wollen, kann er diesen Weg freiwillig einschlagen. Falls sich die beiden Seiten nicht einigen können, ist es immer noch möglich, die Streitigkeit vor Gericht zu verhandeln.

Geht es vor Gericht, ist der Fall entsprechend vorzubereiten. Es kann sein, dass eines oder mehrere Gespräche mit dem Rechtsanwalt erforderlich sind und zudem entsprechende Unterlagen (die z.B. als spätere Beweismittel dienen) einzureichen.

Schritt 4: Gerichtsverhandlung

Bevor verhandelt wird, muss der Richter erst einmal entscheiden, ob er die Klage zulässt oder sie ablehnt. Wird sie zugelassen, folgt die eigentliche Verhandlung. Diesbezüglich gilt es zu wissen, dass es manchmal relativ lange, d.h. etliche Monate dauern kann, bis es endlich losgeht. Am Ende kommt es dann darauf an, wie das Gericht entscheidet. Sollte man als Kläger in vollem Umfang recht bekommen, ist die andere Seite ohnehin dazu verpflichtet, die Kosten (für das Gerichtsverfahren, den Anwalt und ggf. erforderliche Gutachten) zu tragen.

Andernfalls wird der Rechtsschutzversicherer aktiv und trägt die Kosten. Allerdings wird er den Sachverhalt nochmals prüfen. Falls sich hierbei herausstellt, dass der Versicherungsnehmer zu Beginn falsche Angaben gemacht hat (weil z.B. ein eigenes Fehlverhalten verschwiegen), kann der Versicherer seine Unterstützung zurückziehen. Wichtig ist es daher, von Anfang an mit offenen Karten zu spielen und keine Tricks zu versuchen. Sofern hingegen alles richtig ist, werden die Kosten übernommen.

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